Der Fachberater 

 

 

Sind sie zu weich, bist du zu hart!



Von geernteten Rhabarberstielen können wir die Blätter noch

verwenden – zum Ansetzen von Pflanzenjauchen oder zum

Mulchen! Schnecken verstecken sich gern unter diesem Mulch

und können so einfach abgesammelt werden. Foto: Krüger



Durch den späten Winter hat sich die Bestellung der Gemüsebeete in vielen Regionen etwas verzögert. Jetzt, im Wonnemonat Mai, ist aber alles möglich, und spätestens Ende des Monats können selbst in rauen Lagen die Jungpflanzen in die Erde. Bevor wir die jungen Gemüsepflanzen (Salate, Paprika, Tomate, Kürbis, Porree usw.) aufs Beet bringen, sind diese jedoch abzuhärten! Besonders jene Pflanzen, die wir auf dem Fensterbrett selbst angezogen haben.
                

Die verweichlichten Wohnzimmerkulturen sind einem plötzlichen Wechsel ins Freiland nicht gewachsen. Wind, kalte Nächte und direkte Sonne hinterlassen ihre Spuren, die Pflanzen sterben oder werden entscheidend im Wachstum gestört. Daher stellt man die Pflanzen über vier bis fünf Tage an einem schattigen Platz (oder an bewölkten Tagen) tagsüber ins Freiland. Nachts wieder reinräumen! Das Umräumen kann man sich sparen, wenn die Pflanzen im Frühbeet oder im kleinen Gewächshaus stehen. Dann nur tagsüber lüften und nachts die Glashäuser wieder schließen. So abgehärtete Pflanzen sind vitaler und kompakter, sie werden kräftig wachsen und gute Erträge bringen!
                

Direkt im Freiland ausgesäte Pflanzen brauchen keine solche Abhärtung und bilden tiefere Wurzeln als gepflanzte Kulturen. Bohnen, Zuckerschoten, Erbsen, Kohlrabi, Broccoli, Blumenkohl, Grünkohl, Chicorée, Mairübchen, Rettich, Petersilie, Dill, Thymian, Majoran, Borretsch, Cosmea, viele Gründünger und Bienenweide-Mischungen können u.a. jetzt gesät werden.
                

In den nächsten Wochen benötigen die jungen Gemüsepflanzen noch unsere besondere Pflege: Vereinzeln, Freihalten von Konkurrenzpflanzen, Gießen und flach hacken bzw. mulchen (angetrockneter Grasschnitt, verrottetes Laub, Rohkompost), Insektenschutznetz auflegen. Kartoffeln, Porree und auch Kohl können nach Bedarf angehäufelt werden. Bei verbrauchten Böden darf's jetzt auch noch ein organischer Volldünger sein! Fragen Sie dazu im Fachhandel bzw. bei Ihrem Fachberater nach!
                

Für alle Pflanzen, die später noch eine zusätzliche Versorgung brauchen, können wir jetzt Pflanzenjauchen ansetzen. Ein Plastikfass oder einen Plastikeimer füllen wir mit Blättern von Brennnessel, Beinwell oder auch Rhabarber. Anschließend mit Wasser auffüllen, abdecken - und bis die Jauche fertig ist (ca. zehn Tage), täglich umrühren! Dann kann damit 14-tägig - jedoch im Verhältnis von 1:20 verdünnt! - gegossen werden. Haben wir Ackerschachtelhalm im Garten, können wir daraus eine Brühe kochen. Schachtelhalmbrühe ist ein wirksames Mittel gegen Pilzkrankheiten an Pflanzen. Über vorbeugende Spritzungen freuen sich insbesondere unsere Obstbäume und Erdbeerpflanzen, aber auch Tomaten und Kartoffeln (Braunfäule!).
                

Bei aller Pflege unserer Pflanzen bitte auch weiter an die Tiere denken! Nistkästen, Wildbienenhotels und Tränken können auch jetzt noch installiert werden! Und die Schnecken absammeln …  
                

Und denken Sie natürlich bei aller Arbeit an die Erholung! Beobachten Sie die Wunder des Frühlings und erfreuen Sie sich an den frischen Köstlichkeiten Ihres Gartens: Maibeere, erste Salate, Spinat, Ruccola, Radieschen, Schnittlauch, Melde, Rhabarber … Guten Appetit!
                
Jörg Krüger, Landesgartenfachberater